Die 3P-Technik (Pull – Pause – Push) ist ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Suchterkrankungen. Ihr volles Potenzial entfaltet sie jedoch erst in der VR Therapie – weil Patient:innen das Verhalten nicht nur vorstellen, sondern aktiv ausführen können.
Die Suchttherapie erhält durch digitale Ansätze wie Virtual-Reality-Therapie entscheidende Impulse. Besonders die Integration der 3P-Technik, entwickelt von Prof. Dr. Steffen Moritz und seinem Team am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, eröffnet neue Möglichkeiten im Umgang mit Suchtdruck und automatisierten Konsumimpulsen.
Was ist die 3P-Technik?
> Pull > Pause > Push
Die 3P-Technik zielt darauf ab, automatisierte Konsumimpulse aktiv zu unterbrechen und durch eine gegensätzliche Handlung zu ersetzen.
- Pull: Das Suchtmittel wird bewusst wahrgenommen oder gedanklich herangezogen
- Pause: Der Impuls wird unterbrochen
- Push: Das Suchtmittel wird aktiv zurückgewiesen
Diese bewusste Gegenbewegung soll das gelernte Verhalten neurologisch überschreiben und neue Reaktionsmuster etablieren.
VR Therapie: Verhalten aktiv erleben statt nur vorstellen
In der klassischen Imagination bleibt die Push-Bewegung häufig abstrakt und schwer vorstellbar. Genau hier zeigt sich die Stärke der VR Therapie.
Durch realitätsnahe Szenarien wird das Suchtmittel visuell und emotional erlebbar. Patienten können aktiv handeln:
- eine Flasche zurückstellen
- ein Getränk ausleeren
- ein Produkt bewusst zurückgeben
- das Suchtmittel aktiv wegstoßen
Diese konkrete Handlungserfahrung ist deutlich wirksamer als reine Vorstellung. Das Verhalten wird nicht nur verstanden, sondern direkt erlebt und eingeübt.
Warum VR die 3P-Technik deutlich effektiver macht
Der entscheidende Unterschied liegt im aktiven Tun.
In der VR Therapie wird die 3P-Technik zu einer echten Handlung. Patienten erleben ihre Reaktion, treffen eine bewusste Entscheidung und setzen diese unmittelbar um.
Dadurch entsteht ein Lernprozess, der:
- emotional intensiver ist
- stärker im Gedächtnis verankert wird
- leichter in reale Alltagssituationen übertragen werden kann
Studien deuten darauf hin, dass diese Form des aktiven Trainings Craving reduziert und den Umgang mit Suchtdruck verbessert.
Umsetzung mit dem VR Coach smartsystem
Mit dem VR Coach smart system kann die 3P-Technik gezielt in therapeutische Szenarien integriert werden.
Patienten erleben realistische Alltagssituationen und können die Push-Bewegung aktiv ausführen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass Darstellungen auf einem Bildschirm nur einen Teil des tatsächlichen VR-Erlebnisses abbilden – die Immersion in der VR-Brille ist deutlich intensiver.
VR Therapie im Gruppensetting
Ein besonderer Vorteil zeigt sich im Gruppensetting.
Das 3P-Training dauert nur wenige Minuten und kann problemlos in Gruppensitzungen integriert werden. Während einzelne Patienten die Übung in der VR-Brille durchführen, verfolgen die anderen Teilnehmer das Geschehen über einen Bildschirm oder Beamer.
Ein zusätzlicher Effekt entsteht durch die Gruppendynamik:
Erfolgt die Push-Bewegung unter Beobachtung und mit positivem Feedback – etwa durch Applaus – kann dies die emotionale Wirkung und damit die Effektivität der Übung deutlich verstärken.
Empfehlung für die Praxis
Da tägliche VR-Sitzungen im Klinikalltag oft schwer umsetzbar sind, hat sich ein kombinierter Ansatz bewährt:
→ Erstkontakt und intensives Erleben in der VR
→ anschließende Wiederholungen „in sensu“ (mentale Vorstellung)
Auf diese Weise wird die starke Lernerfahrung aus der VR in den Alltag übertragen und weiter gefestigt.
Suchtverhalten aktiv verändern (Pull–Pause–Push)